Die 5. Jahreszeit: FASTNACHT

 

(bearbeitet von Christine S. und Markus N.)

 

Die Fastnacht bezeichnete anfangs den Abend vor Beginn der Fastenzeit, seit dem 13. Jahrhundert auch ein paar Tage davor. In der Fastnacht wurde früher möglicherweise ein heidnisches Fruchtbarkeitsfest gefeiert, das es vielleicht schon gegeben hat, lange bevor die Fastnacht im 12. Jahrhundert von der katholischen Kirche auf die Zeitspanne vor dem Beginn der Fastenzeit eingeschränkt wurde. Aus diesen Fruchtbarkeitsriten hat sich vorzugsweise im alemannischen Sprachraum, der sich bis weit in die Schweiz, nach Vorarlberg und in das westliche Tirol erstreckt, die Freude am Maskieren, am Verstecken der eigenen Person und Identität hinter Masken aus Holz bewahrt. Die Masken tragen oft groteske und angsteinflößende Züge. In der Überlieferung von Fastnachtsritualen erkennt man oft Spuren heidnischer Bräuche, in denen die Angst des Menschen vor dem kalten grausigen Winter und seine Sehnsucht nach dem warmen fröhlichen Frühling spürbar werden.

Die Träger der hölzernen Masken werden Narren genannt. Das Wort "Narr" bedeutet an sich "einfältiger Mensch". Möglicherweise handelt es sich um eine Entlehnung aus spätlateinisch nario = "Nasenrümpfer, Spötter". Betrachtet man die Masken mit ihren oft spöttischen Mienen, so liegt diese Etymologie zwar nahe, sie ist aber nicht gesichert. Früher wurden die Spaßmacher und Possenreißer bei Hofe auch als Narren bezeichnet - ein Narr in der Fastnacht ist also sicherlich kein einfältiger Mensch, sondern jemand, dem der Schalk im Nacken sitzt.

Als typische Fastnachtsgestalten gelten die Hexen, eine Personifizierung alles Ungestümen und Garstigen. Ein alter Brauch ist die Verbrennung einer Hexe aus Stroh: damit wollten und wollen die Menschen ein Zeichen der Wende vom Winter zum Frühjahr setzen.

In vielen Regionen beginnt die Fastnacht offiziell (nicht aber in der Praxis) am 11.11. 11.11 Uhr - der eigentliche Beginn aber wird auf den Dreikönigstag datiert (6. Januar). Beendet wird das bunte Treiben am Aschermittwoch. Der Höhepunkt der Fastnacht umfaßt lediglich einen Zeitraum von 6 Tagen: vom "Gumpigen Donnerstag" bis zum Aschermittwoch. Vielerorts nennt man diesen Donnerstag nicht "Gumpigen", sondern "Schmutzigen Donnerstag". "Schmutzig" im Sinne von alemannisch "Schmutz" (=Schmalz, Fett), da an diesem Donnerstag Fastnachtskuchen in schwimmendem Fett zubereitet werden.

Zwischen 1450 und 1582 wurde die Fastnacht auf drei Tage vor Aschermittwoch beschränkt. Im 19. Jahrhundert erstreckten sich die Tanz- und Maskenfeste vom Dreikönigstag bis Aschermittwoch. Für "Fastnacht" sind regional unterschiedliche Wortformen überliefert, die aber im Prinzip dasselbe bezeichnen, nämlich die Zeitspanne vor der Fastenzeit, in der der Hunger nach leiblichen Genüssen gestillt werden konnte, bevor die lange Zeit der Askese kam: Fas(s)nacht, Fasenacht, Fasinacht, Fasnet, Fosnat, Faschang und Fasching. Die Bezeichnung Karneval für das ausgelassene Treiben im Zeitraum vor der Fastenzeit findet man besonders im Rheinland und im norddeutschen Raum.

Die Fastnachtsbräuche:

Die typischen Formen der Fastnachtsbräuche nahmen ihren Ausgang in den Städten. Zu den ältesten Bräuchen zählen üppige Gastmähler und Tanzfeste. Im 14. Jahrhundert gesellten sich zu diesem bunten Treiben noch Pferderennen. Im 15. Jahrhundert kamen dann Maskenumzüge auf, die von zünftischen Verbänden organisiert wurden. Die Menschen versteckten sich hinter Hexen-, Tier- und Teufelsmasken. Oftmals war dieses Spektakel von zügellosen, obszönen Ausschweifungen geprägt. Diese Art des Festens rief den Unmut der Obrigkeit hervor: einschränkende Dekrete oder auch strenge Verbote ließen den Versuch spüren, dem deftigen Treiben Schranken zu setzen. Das 16. Jahrhundert zeichnete sich durch gemäßigtere Formen des Fastnachtstreibens aus: es wurden Fastnachtsspiele und vielerlei Tänze aufgeführt. Im 16./17. Jahrhundert erlebten die Umzüge mit ihren lustig-bunten Maskierungen eine große Blüte - eine Tradition, die noch heute weiterlebt. Zunehmend gab es - vor allem in den Großstädten - großartge Bälle, rauschende Feste und prächtige Umzüge.

Der Faschingsumzug ist der wohl bekannteste und weitverbreitetste Brauch. Bis zu ca. 100 Maskengruppen ziehen durch die Straßen, die von unzähligen, oft verkleideten Zuschauern gesäumt sind. Jede Narrengruppe hat ihren eigenen Ruf, z.B. "Narri-Narro". Wenn die Maskenträger "Narri" rufen und der engagierte Zuschauer "Narro" antwortet, bekommt er ein Bonbon (Kinder bekommen natürlich auch ohne "Narro" zu rufen eine Süßigkeit oder etwas anderes). Antwortet man aber nicht, so wird man mit Sägemehl überhäuft. Den musikalischen Rahmen dieser Umzüge bilden Musikgruppen, meistens Blasorchester, Fanfaren- oder Schalmeienzüge.

Neben diesen recht allgemeinen Bräuchen existieren noch "speziellere", regional unterschiedliche: zum Zeichen der angebrochenen Narrenzeit wird ein Narrenbaum gesetzt, die Schlüssel des Rathauses werden vom Bürgermeister dem Narrenvorstand übergeben (ein symbolischer Akt der Amtsübergabe), einige ziehen von Haus zu Haus und trinken dort Schnaps. Eigentlich gäbe es noch viel über die Bräuche in der Fastnacht zu erzählen - wenn Ihr einen Eindruck von der schönsten Jahreszeit haben wollt, dann setzt Euch am besten gleich ins Flugzeug, denn bald istís wieder soweit: FASNET ÜBERALL !

Literaturnachweise:

 Künzig, J.: Die alemannisch-schwäbische Fasnet. Freiburg ³1989.

Pfeifer W. u. a.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. München ²1997 (Taschenbuchausgabe).

Tries, H., Otto, W.: Fasnet. Freiburg 1990.

Brockhaus-Enzyklopädie, 24 Bde., 19., völlig neubearb. Aufl. von 1986, Mannheim (Band 7).

Bildernachweis:

Mezger, W.: Narretei und Tradition - Die Rottweiler Fasnet. Stuttgart 1984.